Sebastian Klein
Herr Klein, Sie haben mit Blinkist Millionen verdient und dann beschlossen, den Großteil wieder abzugeben. Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl: ‚Dieses Geld ist eher ein Problem als eine Lösung‘?“
Sebastian Klein: Bei mir sind mehrere Dinge gleichzeitig geschehen: Ich wurde in relativ kurzer Zeit relativ reich und habe beobachtet, was das mit mir als Menschen macht. Das, was ich beobachtete, fand ich nicht nur positiv. Beispielsweise fing mein Vermögen an, immer mehr Raum in meinem Denken einzunehmen, ich beschäftigte mich phasenweise permanent damit und fragte mich ständig, wie ich es gut einsetzen könnte. Das Geld wurde quasi Teil meiner Persönlichkeit, was ich nicht besonders wünschenswert fand.
Zeitgleich habe ich angefangen, mich mit dem Problem der massiven Vermögensungleichheit zu beschäftigen und kam zu dem Schluss, dass extremer Reichtum eines der größten Probleme unserer Zeit ist. Da ich nun selbst reich war, kam ich mir als Teil des Problems vor. Ich wollte aber lieber Teil der Lösung sein, daher beschloss ich, den größten Teil des Vermögens gemeinnützig einzusetzen.
Was genau hat der Blinkist-Exit in Ihrem Blick auf Erfolg und Unternehmertum verändert?
Im Grunde ist der Blinkist-Exit ein Beleg dafür, dass wir in Zeiten extremer Ungleichheit leben. Dass einzelne Firmen, wie eben Blinkist, mehr oder weniger durch Zufall viel Geld von Investoren erhalten, die die Firma dann in kurzer Zeit wieder zu einem Vielfachen verkaufen wollen, ist doch Teil des Problems. Blinkist hat nicht die Menschen reich gemacht, die besonders viel geleistet haben, es hat einfach ein paar Menschen reicher gemacht, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und Anteile an der Firma erworben haben.
Ich persönlich finde es heute nicht mehr erstrebenswert, eine Firma mit dem Ziel zu gründen, sie möglichst schnell möglichst teuer zu verkaufen. Für Unternehmer, die nicht nur das schnelle Geld im Sinn haben, sondern auch einen Wert für die Gesellschaft schaffen wollen, ist das Modell jedenfalls nicht geeignet. Ich bin heute Verfechter von Modellen wie dem Verantwortungseigentum (engl. steward ownership), die sicherstellen, dass Unternehmen keine Spekulationsobjekte werden und dass Wert nicht abgeschöpft, sondern langfristig im Unternehmen bleibt.
Sie sprechen von „toxischem Reichtum“. Ab wann wird Reichtum aus Ihrer Sicht toxisch?
Mit “toxischem Reichtum” meine ich zwei Dinge: Einmal das, was ich oben beschrieben habe, dass Reichtum mich als Individuum verändert. Ich habe das als trennend empfunden, also nicht als persönliche Bereicherung, sondern als etwas, das mich von den Dingen entfernt, die eigentlich wichtig sind im Leben. Meiner Meinung nach ist ein gewisses Vermögen nötig, um sich sicher und frei fühlen zu können in der Gesellschaft. Aber wenn diese Sicherheit gegeben ist, sollte es im Leben doch um andere Dinge gehen, und dann macht es auch keinen Sinn, dass einzelne immer mehr anhäufen, während sehr viele andere kaum über die Runden kommen.
Die zweite und wichtigere Ebene ist für mich die strukturelle, gesellschaftliche: Wenn einzelne Menschen unbegrenzt Vermögen anhäufen können, dann bedeutet das immer auch eine Machtkonzentration, die nicht mit den Grundsätzen der Demokratie vereinbar ist. Demokratie bedeutet doch, dass alle die Möglichkeit haben, eine Gesellschaft zu gestalten. Dass alle eine Stimme haben und grundsätzlich die Möglichkeit haben sollen, sich mit ihren Fähigkeiten und Talenten in die Gesellschaft einzubringen. Wenn aber ein paar Familien mehr Vermögen besitzen als die Hälfte der Gesellschaft zusammen, dann kann davon keine Rede mehr sein. Die Gesellschaft wird dann in viel zu großem Maße von einigen wenigen gestaltet, die dann ihre Interessen zu Lasten der großen Mehrheit durchsetzen können. Und dann muss man sich auch nicht wundern, wenn andere anfangen, der Demokratie als Ganzem zu misstrauen und Parteien wählen, die diese infrage stellen.
Wie haben Sie diese Machtkonzentration erlebt?
Man muss dazu sagen, dass ich weit davon entfernt war, zu den extrem Reichen zu gehören: Zwischen 5 Millionen und 5 Milliarden liegen Welten, auch wenn für die meisten Menschen oberhalb eines gewissen Betrags alle nur noch reich sind. An mir selbst habe ich aber schon beobachten können, was für alle sehr reichen Menschen gilt: Ich hatte wirtschaftliche Macht, das heißt, ich konnte mit meinen Investitionen mitentscheiden, welche Art von Firmen an Kapital kommen und welche nicht. Mit der wirtschaftlichen Macht kam auch der Zugang zur Politik, man bewegt sich auf einmal in Räumen, zu denen die allermeisten Menschen keinen Zugang haben. Kann Politikern seine Sicht auf die Gesellschaft mitteilen und Wünsche äußern. Wie viele sehr Reiche habe ich mein Geld auch genutzt, um Organisationen zu unterstützen, die meine Interessen vertreten. Und ich konnte meine Möglichkeiten auch nutzen, um Zugang zu Medien zu bekommen und meine Meinung einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen.
All das muss kein Problem sein, wenn die Vermögen nicht so extrem ungleich verteilt sind. Wenn die eben beschriebenen Wege allen Menschen in der Gesellschaft offen stehen, dann haben wir kein Problem. Wenn aber einige Wenige den Großteil der wirtschaftlichen, politischen, medialen Macht auf sich konzentrieren, dann ist das keine Demokratie mehr. In den USA sehen wir sehr gut, wie das in einer Extremform aussieht: wenn einzelne Milliardäre die ganze mediale Öffentlichkeit unter sich aufteilen und damit natürlich auch ihre politische Agenda bespielen.
Sie sagen, extremer Reichtum sei undemokratisch. Viele würden einwenden: „Ich habe hart gearbeitet, das ist doch mein Recht.“
Erstens würde ich dazu sagen, dass der eigene Beitrag zu einem sehr großen Vermögen meist sehr viel geringer ist, als die meisten Menschen glauben mögen. Es hat doch immer viel mit Glück und Zufall zu tun, und natürlich haben für jedes große Vermögen auch sehr viele Menschen gearbeitet, die nichts von diesem Vermögen abbekommen haben. Zweitens, selbst wenn man nun der Meinung ist, man habe sich ein großes Vermögen ganz allein aufgebaut und es sich verdient, bleibt noch das Demokratie-Problem: Es ist schlicht nicht mit den Grundsätzen der Demokratie vereinbar, dass einzelne Menschen so viel Macht besitzen. Politische Macht haben wir sehr streng reglementiert, sie kann heute nicht mehr entlang der Blutlinie weitergeben werden, und es gibt viele Checks and Balances. Bei wirtschaftlicher Macht sieht es ganz anders aus, da wird es uns ja sogar oft als etwas Positives verkauft, wenn die Verfügungsgewalt über riesige Konzerne seit Generationen entlang der Blutlinie weitergegeben wird.
Dass es problematisch für eine Gesellschaft ist, wenn zu viel Vermögen in den Händen einzelner liegt, ist übrigens kein neuer oder radikaler Gedanke. So steht beispielsweise in der Bayerischen Verfassung von 1946, in Artikel 123 Abs. 3, „die Erbschaftsteuer diene auch dem Zwecke, das Entstehen von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ Frühere amerikanische Regierungen sind sehr entschlossen gegen die Machtkonzentration bei sehr reichen Menschen vorgegangen.
Welche Verantwortung haben gerade Gründer und Familienunternehmer, die durch Exits oder Erbschaften zu sehr
großen Vermögen kommen?
Ich bin der Meinung, dass alle, die über viel Vermögen verfügen, eine große Verantwortung für unsere Gesellschaft tragen. Mit Geld lässt sich alles gestalten, im Positiven wie im Negativen. Wenn ich ein Milliardenvermögen kontrolliere, kann ich damit enorm viel Gutes für die Gesellschaft tun. Ich finde es nicht gut, wenn sich Menschen dann komplett aus der Verantwortung ziehen und sagen, ihr Vermögen sei Privatsache. Auch das passt nicht in eine Demokratie, und auch das ist kein neuer oder radikaler Gedanke. So steht doch im deutschen Grundgesetz Artikel 14 Absatz 2:
“Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”
Sie argumentieren, dass Superreichtum auch die Klimakrise befeuert. Wie kommen Sie zu diesem Zusammenhang?
Sehr reiche Menschen haben allein durch ihren Konsum einen vielfach höheren CO₂-Ausstoß als Durchschnittsmenschen. Ich möchte jetzt gar keine Zahlen zitieren, weil ich wirklich wütend werde, wenn ich höre, dass einzelne Milliardäre mehr Emissionen verursachen als ganze Städte in ärmeren Ländern zusammen. Der unverantwortliche Konsum der Reichsten mit ihren Yachten, Privatjets usw. führt auch noch dazu, dass andere in der Gesellschaft sich daran orientieren und dann auch nach einem exzessiven und natürlich klimaschädlichen Lifestyle streben.
Dann liegt das Geld sehr reicher Menschen natürlich nicht unter dem Kissen, es ist investiert. Wenn ich diese Investitionen berücksichtige, dann multiplizieren sich die Emissionen noch mal ganz erheblich. Normalmenschen wird ja gern eingeredet, sie seien für die Emissionen verantwortlich, die sie mit ihrer Mobilität und ihrem Privatkonsum verursachen. Das ist aber nicht richtig: Verantwortlich sind die Firmen, die damit Geld verdienen, und die wiederum gehören ja reichen Menschen, die also letztlich für die Emissionen verantwortlich sind. Warum? Sie könnten jederzeit die Geschäftsmodelle so ändern, dass weniger Emissionen entstehen. Sie könnten im großen Stil Emissionen kompensieren und sich entscheiden, ihr Vermögen in nachhaltige Anlagen zu bewegen. Das würde natürlich die Renditen schmälern, deshalb passiert das kaum. Und deshalb werden Reiche immer reicher, während gleichzeitig die Klimakrise eskaliert. Entsprechend ist doch völlig klar, wer für den Klimawandel verantwortlich ist. Und da sich das Problem mit Geld lösen ließe, ist für mich auch klar, wer dieses Geld in die Hand nehmen muss, um zur Lösung beizutragen.
Was heißt das für Unternehmer, die Rendite und Gemeinwohl ernst nehmen wollen?
In unserem heutigen System wird meiner Meinung nach jeder Unternehmer ökonomisch abgestraft, der das Gemeinwohl ernst nimmt. Wer rücksichtslos auf Kosten von Mensch, Demokratie und Planeten wirtschaftet, hat einen ökonomischen Vorteil. Das sehen wir im Extrem an den reichsten Menschen der Welt, die ihren Reichtum extraktiven Geschäftsmodellen und der aggressiven Durchsetzung von Quasi-Monopolen zu verdanken haben.
Dass wir in einem System leben, das solches Verhalten nicht nur zulässt, sondern auch noch belohnt, entbindet uns Unternehmer aber nicht aus der Verantwortung, es besser zu machen. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, gleichzeitig ökonomisch tragfähig zu wirtschaften und seine Verantwortung für die Gesellschaft ernst zu nehmen. Das darf aber keine Ausrede sein, es nicht zu versuchen.
Lassen Sie uns auf die Quantum-Leser schauen: CEOs, Inhaber, Beiräte uvm. Welche drei Fragen sollte sich jemand in so einer Position heute zu seinem eigenen Vermögen und zu seiner Firma ehrlich stellen?
Mir ist zunächst mal wichtig zu sagen, dass jeder Teil der Lösung sein kann. Wir können uns nicht aussuchen, in welches Leben wir geboren werden. Aber wir können jederzeit entscheiden, das Beste damit zu machen. Und es gibt natürlich keine perfekte Lösung, wir können alle immer nur versuchen, unser Bestes zu geben und das, was wir neu gelernt haben, dann auch umzusetzen. Aber zu den Fragen, die ich gern mitgeben würde:
- Wie viel Vermögen und Einkommen brauche ich,
um mich sicher zu fühlen? - In einer idealen Welt, wofür sollte alles, was über diese Summen hinausgeht, eingesetzt werden?
- In anderen Worten: Zur Lösung welcher Probleme in der Welt würde ich gerne beitragen?
- Was hindert mich daran, ab morgen damit anzufangen, zumindest einen Teil dieses Geldes (oder auch anderer Ressourcen, über die ich verfügen)
Das klingt ziemlich unbequem. Wie reagiert typischerweise ein CEO, wenn Sie so etwas sagen?
Meine Erfahrung ist, dass die meisten eigentlich gern mehr machen würden, um zur Lösung großer Probleme beizutragen. Aber wir alle sind natürlich gefangen in unserem Alltag, daher finde ich auch wichtig, sich hierbei nicht zu überfordern, sondern einfach mal im Kleinen anzufangen. Und dann vielleicht zu merken, dass es sehr belohnend sein kann, sein Geld und seine Ressourcen für andere oder die Lösung gesellschaftlicher Probleme einzusetzen. Ich persönlich empfinde es jedenfalls als sehr bereichernd und höre das auch von vielen anderen.
Sie plädieren für mehr Umverteilung. Wie sähe ein Steuersystem aus, das Reichtum bändigt, ohne Unternehmertum abzuwürgen?
Meine Sicht auf Unternehmertum ist, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeiten haben sollten, ihre Talente unternehmerisch einzubringen. Das ist heute leider überhaupt nicht gegeben, weil wir, jedenfalls in Deutschland, unsere Hoffnungen für die Entwicklung der Wirtschaft vor allem in die Hände von Erben in der x-ten Generation legen. Die sind aber keine Unternehmer, sondern eben Erben, die entsprechend eher nach Sicherheit streben, nicht mutig in die Zukunft investieren, sondern Vermögen verwalten lassen. Diese Menschen, die ja teilweise Milliarden-Vermögen erben, endlich fair zu besteuern, hätte meiner Meinung nach eine sehr stimulierende Wirkung für eine Wirtschaft.
Und dabei bitte immer bedenken: Vermögens- und Erbschaftsteuer wird bei Personen erhoben, nicht bei Unternehmen. Wenn ich den Erben eines Konzerns besteuere, hat das keinen negativen Effekt auf dessen Unternehmen, auch wenn das gern behauptet wird. Und wenn ein Erbe keine Lust auf Verantwortung hat, ist es auch völlig in Ordnung, wenn er sein Unternehmen an jemand anderen veräußert, der vielleicht bereit ist, unternehmerisch ins Risiko zu gehen. Da sind wir wieder bei dem Punkt: Wer sagt, dass es gut für Unternehmen ist, wenn sie dynastisch weitervererbt werden? Erben können natürlich auch gute Unternehmer sein, aber es ist eher die Ausnahme als die Regel.
Viele Unternehmer fürchten, dass höhere Steuern Innovation und Investment bremsen.
Aus meiner Sicht ist die aktuelle Steuerpolitik das Gegenteil von unternehmer- und innovationsfreundlich. Natürlich ist es nicht sinnvoll, pauschal Steuern zu erhöhen, aber die aktuelle Verteilung der Steuerlast macht so keinen Sinn: Wir sollten Menschen, die kein Vermögen haben und etwas aufbauen wollen, entlasten und dafür die stärker in die Pflicht nehmen, die durch Erbschaft sehr reich sind. Das würde nämlich bedeuten, dass auch Menschen, die nicht reich geboren sind, Vermögen und Unternehmen aufbauen können. Und das hätte einen positiven Effekt auf die Wirtschaft als Ganzes. Das sage übrigens nicht nur ich, sondern auch die OECD, die Länder wie Deutschland immer wieder ermahnt, etwas gegen die extreme Ungleichheit zu tun. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern explizit mit dem Verweis auf die Wirtschaft, die dynamischer und innovativer ist, wenn die Vermögen nicht so konzentriert sind wie aktuell.
Sie investieren heute unter anderem in Medien und neue Organisationsformen. Welche Rolle spielen unabhängige Medien in einem System, in dem Reichtum so ungleich verteilt ist?
Journalistische Medien, kritische Berichterstattung und ein guter Zugang zu unverfälschten Informationen sind essenzielle Bestandteile einer Demokratie. Wir leben in einer Zeit, wo ein großer Teil der öffentlichen Debatte über Plattformen läuft, die einzelnen Milliardären gehören. Diese Plattformen werden sehr unzureichend reguliert. Wie wir an vielen Beispielen, wie etwa der ersten Wahl von Trump wissen, werden diese Plattformen massiv genutzt, um Menschen zu manipulieren und gegeneinander aufzuhetzen. Der Aufstieg dieser Plattformen hat zu einem Abstieg klassisch journalistischer Medien geführt. Die sich in einem unfairen Wettbewerb befinden, weil sie streng reguliert werden, während soziale Medien im Grunde machen können, was sie wollen. Das müssen wir dringend korrigieren, einerseits durch politische Maßnahmen, andererseits brauchen wir Geldgeber, die journalistische Medien finanzieren. Für mich ist es ein Investment in demokratische Infrastruktur, in europäische Souveränität und in die Hoffnung, dass wir hier auch in 20 Jahren noch in Freiheit und Sicherheit zusammenleben.
Und wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Engagement und problematischer Einflussnahme, wenn Reiche Medien finanzieren?
Das kann ich klar beantworten: Für mich sollten Investoren, die sich an Medien beteiligen, keine Kontrolle über diese ausüben können. Die Stimmrechte sollten immer im Unternehmen verbleiben. Daher bin ich Befürworter von Modellen wie dem Verantwortungseigentum, die das langfristig sicherstellen. Und natürlich sollte man nur solche Medien finanzieren, die sich an journalistische Standards halten.
Zum Schluss: Wenn ein Quantum-Leser sagt: „Ich gehöre selbst zu den sehr Vermögenden – mit welchem ersten konkreten Schritt sollte ich beginnen, wenn ich wirklich etwas verändern will?
Ich bin der Meinung, wir brauchen viel mehr unternehmerische Stimmen im öffentlichen Diskurs. Heutzutage hören Politiker auf kaum jemanden so sehr wie auf Unternehmer. Das wissen bestimmte Lobbygruppen sehr gut, weshalb in jeder Talkshow in Deutschland sogenannte Familienunternehmer sitzen, die Märchen vom Niedergang der deutschen Wirtschaft erzählen. Was wir meiner Meinung nach dringend brauchen: mehr progressive Unternehmerstimmen, die sich an die Öffentlichkeit trauen und ihre Sicht auf Steuerpolitik, Wirtschaftspolitik und gesellschaftliche Belange einbringen. Die keine Schauermärchen erzählen, sondern nach vorne blicken und eine Vision haben, wie eine zukunftsfähige Wirtschaft aussehen kann und sollte. Ich glaube, wir können es uns heute als Unternehmer nicht mehr leisten, uns aus diesen Diskursen herauszuhalten.
Herr Klein, vielen Dank für das Gespräch.
In seinem Buch „Toxisch reich“ beleuchtet Sebastian Klein die Schattenseiten von großem Wohlstand. Offen und persönlich beschreibt er, wie Vermögen zur Last werden kann – für Individuen, aber auch für die Gesellschaft. Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Verantwortungsbewusstsein, eine neue Debatte über Umverteilung und einen kritischeren Umgang mit Reichtum in der Demokratie.
Sebastian Klein
ist Unternehmer, Autor und Experte für neue Arbeits- und Führungskultur. Er ist Mitgründer von Blinkist, der erfolgreichen App für komprimiertes Wissen. Nach dem erfolgreichen Exit von Blinkist beschäftigt er sich heute intensiv mit den gesellschaftlichen Folgen von Vermögen und Macht. Mit seinem Buch „Toxisch reich“ regt er eine breite Debatte über Verantwortung, Demokratie und Umverteilung an. Sebastian Klein engagiert sich als Investor, Impulsgeber und Speaker für neue Organisationsformen und unabhängige Medien.