Weitergehen und lernen – vom Papierhandel zur Etikettenmanufaktur

Ein Interview mit der Geschäftsführerin der Papier‑Schäfer GmbH & Co. KG – über vier Generationen Familienunternehmen, gelebte Tradition, moderne Etikettenmanufaktur und den Wandel vom Papiergroßhändler zum Spezialisten für Etiketten.

Vom Papiergroßhandel zur Etiketten-Manufaktur

Ein Familienunternehmen schreibt seit 80 Jahren Geschichte.

Ein Interview mit der Geschäftsführerin der Papier‑Schäfer GmbH & Co. KG
über vier Generationen Familienunternehmen, gelebte Tradition mit der Moderne und der Weg vom Papiergroßhändler zur Etiketten-Manufaktur.

Willkommen im Quantum Club, Mareike Schäfer. Sie führen nun das Familienunternehmen, die Papier‑Schäfer GmbH & Co. KG in vierter Generation: Was ist aus Ihrer Sicht der rote Faden durch all diese Jahre?

Mareike Schäfer: In den vier Generationen Papier Schäfer sehe ich einen sehr klaren roten Faden: technische Innovation, stetige Investitionen, Präzision, Know-how und Weiterentwicklung. Jede Generation hat das Unternehmen auf ein neues Level gehoben, mal über neue Maschinen, mal über besondere Etikettenlösungen, mal über schlauere Prozesse und mehr Weiterbildung im Team.

In unserem Vorgespräch ist mir aufgefallen, dass Sie einen besonderen Umgang mit Ihren Kunden pflegen …

… Genau, bei uns gehört die Präzision zum Auftrag genauso dazu wie der sehr persönliche Service. Wenn wir ein Ergebnis selbst nicht gut finden, geht es nicht raus, Punkt. Wir sind von der ersten Anfrage bis weit nach der Lieferung an der Seite unserer Kunden – und dieses Wissen dahinter teilen wir ganz bewusst im Team, statt es an einzelnen Köpfen festzumachen. So kennen viele bei uns die Projekte und die Menschen dahinter, nicht nur eine Ansprechperson. Unsere Kunden wissen auch: Gerade die
Komplexere Themen, an die andere ungern rangehen, machen wir richtig gern, hier sind wir in unserem Element.

Die Geschäftsführung: Alexander, Mareike (rechts) und Karin Schäfer (Mitte), 3. und 4. Generation.
Das Team von Papier Schäfer GmbH & Co. KG
Mareike Schäfer in der Produktion – André Dielmann, Technik und Produktion
Alexander Schäfer bei der Einstellung der Maschine

Ihr Mann ist der technikbegeisterte?

Ja, absolut, in der Technik ist mein Mann Alexander klar der Innovator. Hier geht er total auf. Durch ihn sind der Digitaldruck und die Veredelung der Etiketten in dieser Tiefe überhaupt erst möglich geworden.

Und wo setzen Sie persönlich Ihre Akzente?

(lacht) Meine Akzente liegen in Strategie, Marketing und Sichtbarkeit. Wir sind technisch extrem stark und haben so viele Möglichkeiten, die lange gar nicht erkannt wurden. Genau da setze ich an: Ich mache diese Stärken Schritt für Schritt sichtbarer. Man kann fast sagen: Jede Epoche bei Papier Schäfer hat ihren eigenen Design- und Innovationsabschnitt – und wir sind gerade mitten in so einem Abschnitt.

Wie sind Sie persönlich in die Rolle als Unternehmerin hineingewachsen – war das geplant oder eher „learning by doing“?

Ich wurde immer wieder ins kalte Wasser geworfen und das war rückblickend genau richtig. Mir war von Anfang an klar: Bevor ich Entscheidungen treffe, will ich die Technik verstehen. Nach meiner Ausbildung als Medientechnologin Druck bei der Heidelberger Druckmaschinen AG bin ich ganz bewusst ins Familienunternehmen eingestiegen. Relativ schnell hieß es dann: „Mareike, technisch bist du fit – wie wäre es mit dem Verkauf?“ So habe ich kalkulieren gelernt, Kunden begleitet und bin einmal durch jede Abteilung gegangen. Aus jeder Station habe ich etwas mitgenommen.

Wann wurde aus dem Mitarbeiten im Unternehmen ein echtes Hineinwachsen ins Management?

Der Wendepunkt kam, als mein Vater erkrankte. Da war klar: Es ist Zeit, das Management strategisch an die vierte Generation und weitere Mitarbeiter zu übergeben. Ich war damals im Vertrieb, gleichzeitig mitten in der Firmenerweiterung mit neuer Produktionshalle. In dieser Phase wurde ich Prokuristin. Mein Mann Alexander war da schon lange federführend in allen technischen Fragen – Maschinenpark und nachhaltige Produktion und ich bin Schritt für Schritt enger ins Management hineingewachsen, mit zusätzlicher Weiterbildung in BWL und Management. Meine Mutter Karin hat wie selbstverständlich das Rechnungswesen und die Buchführung getragen.

Gab es einen ganz konkreten Moment, in dem Sie dachten: „Jetzt bin ich wirklich am Steuer“?

Ja, den gab es sehr deutlich. Ende 2020 kam mein Vater zu mir und sagte: „Nächste Woche gehen wir zum Notar.“ Ab da war ich offiziell gemeinsam mit ihm Geschäftsführerin. In dem Moment stand ich aushilfsweise in der Produktion und habe die Verantwortung ganz körperlich gespürt und auch, dass mein Mann als Prokurist fest an meiner Seite steht.

Wie hat sich Ihre Rolle nach dem Tod Ihres Vaters verändert?

Anfang 2021 ist mein Vater verstorben. Das war noch einmal eine ganz andere Dimension von Verantwortung, das Ruder wirklich allein in der Hand zu halten. Gleichzeitig haben wir im Management als Familie funktioniert: Alexander in der Technik, meine Mutter im Personal- und Rechnungswesen, dazu unser starkes Team. So konnten wir unsere gewohnte Präzision und Lieferfähigkeit halten. Trotz aller Krisen konnten wir unseren Kunden klar sagen: Es geht weiter. Wir hatten frühzeitig Vorsorge getroffen und Aufgaben im Team verteilt – das hat uns durch diese Zeit getragen.

Lassen Sie uns ins Detail gehen: Ihre Kernprodukte sind heute Booklet-, Mehrlagen- und veredelte Premiumetiketten sowie Spezialetiketten. Worin unterscheiden sich diese Lösungen von klassischen Standardetiketten?

Standard kann fast jeder. Spannend wird es dort, wo Etiketten mehr können müssen – mehr Schichten, mehr Funktionen, mehr Informationen. Genau da setzen wir an: Unsere Etiketten haben eine größere Fertigungstiefe, brauchen umfangreich ausgebildete Mitarbeitende und sehr viel Spezialwissen. Die Prozesse sind deutlich vielschichtiger, es gibt mehr Materialkomponenten und Produktionsschritte, die exakt aufeinander abgestimmt werden müssen. Dazu kommen gesetzliche Vorgaben und Zertifizierungen, die wir im Blick behalten.

Sie sagen: Standard kann jeder, spannend wird es beim Mehr. Woher kommt dieser besondere Umgang mit komplexen Dingen – hat das mit Ihren Wurzeln als Papiergroßhändler und Akzidenzdruckerei zu tun?

Ich würde es ganz klar bejahen. Diese Herkunft ist heute ein echter Vorteil, vor allem bei Bookletetiketten. Seit den 70er-Jahren verbinden wir unser Papier- und Druck-Know-how mit Rollenetiketten und haben diese Spezialetiketten immer weiterentwickelt. In den 2000ern gehörten wir zu den ersten Druckereien, die Booklet- und Mehrlagenetiketten in dieser Form fertigen konnten. Unser Motto ist da ganz klar: weitermachen und lernen, wo andere aufgeben.

Ich habe den Verdacht, dass Sie besonders veredelte
Etiketten lieben, ist das so?

(lacht) Absolut, ich liebe veredelte Etiketten, hier entsteht für unsere Kunden eine ganz besondere Welt – sichtbar und spürbar in der Haptik. Wir verbinden technische Möglichkeiten mit Veredelungen so, dass etwas wirklich Einzigartiges für unsere Kunden entsteht. Der Digitaldruck begleitet uns schon lange, und mit der digitalen Veredelung setzen wir neue Maßstäbe: ganz ohne Werkzeuge, mit 3D-Effekten direkt auf dem Etikett. Das fühlt sich für viele an wie 3D-Druck auf dem Etikett.

Veredelte Flaschenetiketten
Digital veredelt mit 3D-Lack und Goldfolie
GIN-Etiketten bedruckte Etikettenrückseite
Cartes Muster – digital veredelt und mit einer Materialkombination
Bookletetiketten
Neue Veredlungsmaschine von Cartes nach Umbau 2025
Alexander Schäfer (l.), Geschäftsführer Technik und Verkauf, Bernd Nischwitz (r.), Produktionsplanung und Verkauf
Papier Schäfer GmbH & Co. KG – heute

In welchen Situationen zeigen Mehrlagenetiketten
besonders deutlich, was sie können?

Mehrlagenetiketten bringen Informationen in mehreren Schichten aufs Produkt und lassen sich mehrfach öffnen und wieder verschließen. Überall dort, wo wenig Platz ist und viele Sprachen oder ausführliche Anwendungshinweise untergebracht werden müssen, sind sie ideal – zum Beispiel auf runden Behältern oder kleinen Verpackungen. Sie eignen sich auch sehr gut für Veredelungen und können je nach Anwendung und Recyclingfähigkeit des Produkts aus Papier oder Folie gefertigt werden.

Und wenn selbst Mehrlagenetiketten nicht mehr ausreichen, kommen Bookletetiketten ins Spiel?

Ja, genau, Bookletetiketten setzen wir ein, wenn noch mehr Informationen gefragt sind und zusätzlich regulatorische Vorgaben erfüllt werden müssen. Dann integrieren wir einen Falzeinleger ins Etikett, der bis zu 24 Seiten und mehr bieten kann. Typische Branchen sind Chemie, Pharma und Hygiene, aber auch Nahrungsergänzung, Lebensmittel und Industrie. Überall dort, wo Rezepte, Anleitungen, Inhaltsstoffe oder sogar eine kleine Imagebroschüre direkt am Produkt Platz finden sollen, entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden das passende Etikett.

Wofür werden Spezialetiketten genutzt?

Spezialetiketten kommen dann ins Spiel, wenn ein Etikett mehr können muss als nur informieren. Sie sollen unter anderem Manipulation sichtbar machen oder auf UV-Licht reagieren, um Sicherheit oder Authentizität zu erhöhen.

Typische Anwendungen sind Sicherheits- und Originalitätssiegel, Versiegelungen bei Premium-Getränken, Kennzeichnungen in der Chemie oder Industrie sowie Etiketten, die nur unter UV-Licht bestimmte Informationen preisgeben. So lassen sich Eingriffe, Fälschungsversuche oder bestimmte Abläufe rasch erkennen.

Man sieht täglich Hunderte Etiketten und merkt dabei kaum, wie viel Bedeutung und wie viele Anforderungen in diesem kleinen Stück Material stecken.

Da gebe ich Ihnen absolut recht, gerade bei Booklet- und Mehrlagenetiketten geht es oft um das gleiche Muster: viele Informationen, sehr wenig Platz und häufig runde Behälter. Dazu kommen Spezialkleber für besondere Oberflächen, UV-reaktive Lacke, taktile Dreiecke für die Barrierefreiheit oder leimneutralisierte Bereiche, in denen der Kleber bewusst nicht haften soll.

Welche sind ihre wichtigsten Branchen?

Unsere wichtigsten Branchen sind Chemie, Pharma, Nahrungsergänzung, Industrie, Hygiene und Premium-Getränke – überall dort, wo Etiketten technisch funktionieren und gleichzeitig sauber lesbar bleiben müssen.
Gerade bei Wein, Feinkost oder Manufakturprodukten fällt die Entscheidung oft am Regal.

Woran erkennen Sie ein wirklich
gelungenes Premiumetikett?

Es schreit einfach: Wow, fass mich an, kauf mich, nimm mich mit. Ein klarer Eyecatcher ist wichtig, aber auch das Gefühl, das transportiert werden soll. Es kann das Design selbst sein, ein besonderes Material oder eine besondere Veredlung auf einem „Standardmaterial“. Es muss immer zum Produkt und den Kundenwünschen passen.

Wie früh steigen Sie in solche Projekte ein – kommen die Kunden mit fertigem Design oder mit einer Idee?

Beides. Oft steht das Design, und wir beraten dann zu Veredelungstiefe und Machbarkeit. Häufig sind wir aber schon vorher im Boot: Dann geht es darum, wie wir die Wünsche für eine bestimmte Flasche oder Verpackung technisch klug umsetzen. Welche Anforderungen gibt es – Recycling, Eiswasser, Kühlung, Mehrweg? Welches Material passt dazu? Auf dieser Basis hat der Designer eine klare Leitlinie für die Gestaltung.

Und wenn ein Kunde gar kein eigenes Designteam hat?

Dann übernehmen wir auf Wunsch auch das Design. Das hat den Vorteil, dass wir die Daten direkt so aufbereiten, wie wir sie für die Produktion benötigen –
inklusive aller technischen Feinheiten.

Folgt die Verarbeitung dem Design oder umgekehrt?

Ich sage ganz klar: Das Design folgt der Verbreitung. Eine präzise Verarbeitung ist für mich nicht verhandelbar – ganz egal, ob es ein preisbewusstes Etikett oder ein High-End-Premiumetikett mit Prägungen und fühlbaren 3D-Effekten ist. Wenn etwas technisch nicht sauber umgesetzt ist, hilft das schönste Design nichts.

Auf welche technischen Lösungen oder Entwicklungen sind Sie heute besonders stolz?

Ganz klar auf unseren Weg im Digitaldruck und darauf, Alt und Neu sinnvoll zu verbinden – in der Technik, in der Produktion und im Etikett selbst. Diese Fertigungstiefen können nur sehr wenige bieten, und jede Generation im Unternehmen hat noch einmal ein neues Level an technischer Innovation hineingebracht, das man in unseren Produkten sieht.

Wie stark setzen Sie inzwischen
tatsächlich auf Digitaldruck?

Heute fertigen wir rund 95 Prozent unserer Etiketten im Digitaldruck. Das gibt uns enorme Flexibilität in der Produktion, ist ressourcenschonend und macht uns schneller – bei Sortenvielfalt, kleineren Auflagen und individuellen Varianten. Gleichzeitig können wir Prozesse besser automatisieren und für die Bediener einfacher und sicherer machen.

Was bedeutet das konkret bei veredelten Etiketten – wo ist da der technologische Sprung?

Unser Ziel war bei den Veredelungen von Anfang an: Das muss auch digital gehen. Digitaler Siebdruck ermöglicht uns heute 3D-Lackeffekte, digitale Prägung ergänzt den Metalliceffekt und all das ohne teure  Prägewerkzeuge und Siebe. Mit dem Laserstanzen wird der gesamte Prozess praktisch werkzeuglos.

So lohnen sich veredelte Etiketten und viele Sortenvarianten mit Wow-Effekt schon ab kleineren Auflagen. Das können wir mit klassischen Veredelungen kombinieren und sogar mit unseren Mehrlagenetiketten – eine
Kombination, die am Markt nur sehr wenige beherrschen.

Nachhaltigkeit spielt auch in der Druckbranche eine immer größere Rolle. Was hat sich bei Ihnen in diesem Bereich getan?

Die nachhaltigen Entwicklungen sind ein Kernstück bei Papier Schäfer. Wir setzen auf eine energieeffiziente Produktion mit moderner Digitaltechnik, LED-Leuchtmitteln, eigener Solaranlage, Wärmerückgewinnung sowie Fußbodenheizung und -kühlung, die über intelligente Steuerungselemente laufen. Dazu kommen Filteranlagen, die Mensch und Umwelt schützen. So verbinden wir unsere technischen Ansprüche mit einem sehr konkreten Beitrag zu Umwelt- und Ressourcenschonung.

Kommen wir zu einem weiteren
zentralen Thema: den Mitarbeitern. Welche Rolle spielt Ihr Team heute für Papier Schäfer?

Ohne das Team geht gar nichts – dann würde hier kein einziges Etikett das Haus verlassen. Das sind die Menschen, die unsere Ideen und Produkte Realität werden lassen, Kunden glücklich machen und ihre Erfahrung täglich einbringen.

Was ist Ihnen im Miteinander wichtig?

Mir ist ein respektvolles Miteinander sehr wichtig. Ich möchte ein Umfeld schaffen, in dem jeder seine Talente und Fähigkeiten einbringen kann und der Job eben nicht nur ein klassisches 8 to 5 ist, sondern etwas, das einen erfüllt. Natürlich gibt es auch Aufgaben, die weniger Spaß machen – aber die lösen wir im Team und unterstützen uns gegenseitig.

Worauf achten Sie bei Neueinstellungen mehr, auf Werte oder auf
Fähigkeiten?

Also wir wählen jedes neue Teammitglied sehr sorgfältig aus und bilden es intensiv aus. Fachliche Fähigkeiten sind für uns am Anfang zweitrangig. Viel wichtiger sind Werte und das Warum dahinter: Wie tickt der Mensch, was treibt ihn an, und wo liegen seine Stärken? Dann schauen wir, wo diese Stärken im Unternehmen und im Team am besten aufgehoben sind und alles andere folgt.

Sie haben eine besondere Art, auf Ihr Team zu schauen …

… ja, das stimmt. Ich finde, nur so können wir Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen und als Team flexibler agieren. Unsere internen Strukturen richten wir bewusst an den Abläufen aus, die nach außen sichtbar sind. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen – wir entwickeln uns gemeinsam kontinuierlich weiter.

Lassen Sie uns noch einmal auf den Kundenprozess zurückkommen. Viele Ihrer Projekte sind sehr individuell. Wie ist der Prozess, wenn ein Kunde mit einer ersten Idee auf Sie zukommt?

Am Anfang steht immer eine genaue Analyse des Produkts: Wo kommt es zum Einsatz, in welchem Umfeld, unter welchen Bedingungen? Also ganz konkret: Was, wie und wo. Daraus entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden ein individuelles Etikettenkonzept – abgestimmt auf Behälter, Material, Funktion und Design.

Und wie geht es nach dieser Analyse weiter?

Nach dieser Konzeptphase folgt die Bemusterung. Wir testen Material, Aufbau und Wirkung, stimmen Feinheiten ab und justieren, bis alles stimmig ist. Erst dann begleiten wir die Umsetzung bis zum fertigen Etikett –
inklusive aller technischer Details, die man später im Alltag idealerweise, gar nicht mehr wahrnimmt.

Wie aufwendig sind Booklet- und Mehrlagenetiketten?

Bei Booklet- und Mehrlagenetiketten steht die technische Kreativität im Vordergrund. Die Frage lautet: Wie bringen wir möglichst viele Informationen funktional, ansprechend und zuverlässig unter? Da geht es um Seitenanzahl, Öffnungsmechanik, Lesbarkeit und natürlich die Anforderungen aus Regulierung und Praxis.

Und was macht Projekte für Premium-Etiketten besonders – etwa für Wein, Feinkost oder Manufakturprodukte?

Bei Premium-Etiketten wird es deutlich kreativer und sinnlicher. Hier geht es darum, ein Design zu entwickeln, das optisch sofort anspricht und gleichzeitig beim Berühren ein echtes Erlebnis auslöst. Wir tüfteln an neuen, einzigartigen Etikettenideen, die es in dieser Form bisher nicht im Regal gibt – immer im Spagat zwischen Markenauftritt, Material, Veredelung und technischer Machbarkeit.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Wenn Sie auf die nächsten fünf bis zehn Jahre schauen: Welche Rolle wird KI im Etikettenbereich spielen?

KI wird technisch einen deutlich größeren Anteil bekommen, aber sie ist nicht die Lösung für alles. Wichtig ist für mich die richtige Synergie: KI unterstützt und übernimmt bestimmte Prozesse, damit die Menschen sich stärker um die wirklich wesentlichen Aufgaben kümmern können. Das reicht von KI-gestützter Produktionsplanung und Auftragsabwicklung bis hin zu automatisierten Fertigungsabläufen.

Was heißt das konkret für Ihre eigene Produktion?

Unser Ziel ist es, mit einem kleinen, sehr talentierten Team hochkomplexe Etiketten zu fertigen. Unsere jüngste Investition in die digitale Veredelung und Konfektionierung von Cartes ist ein Baustein auf diesem Weg: digital veredeln ohne Werkzeuge, Laserstanzen und eine Maschine, die sich fast selbst rüstet. So kann eine Person deutlich komplexere Abläufe steuern – und am Ende stehen präzise, hochwertige Etiketten.

Regulatorisch bewegt sich im Kennzeichnungsbereich viel. Wie gehen Sie damit um?

Regulatorik ist ein sehr weites Feld und ständig in Bewegung. Dafür arbeiten wir mit externen Kennzeichnungsexperten zusammen. Wir selbst konzentrieren uns darauf, dass unsere Etiketten lesbar sind, eine hohe Druckqualität haben und technisch funktionieren – dazu gehört für uns auch die zuverlässige Code-Prüfung.

Welche Trends sehen Sie bei den
Etiketten selbst?

Der Trend geht klar zu Mehrlagen- und Bookletetiket-
ten, weil immer mehr Informationen direkt am Produkt untergebracht werden müssen. Gleichzeitig gewinnen veredelte Etiketten an Bedeutung, da sie am Regal visuelle Präsenz mit einer starken, ansprechenden Wirkung verbinden.

Wenn ein Etikett der erste Kontaktpunkt mit dem Kunden ist – welche Rolle spielt es für die Markenführung?

Sie sagen es, da ein Etikett der erste Kontaktpunkt mit dem Kunden ist, übernimmt es eine zentrale Rolle für die Markenführung. In diesem Moment entscheidet sich oft innerhalb weniger Sekunden, welchen Eindruck ein Produkt hinterlässt und welche Erwartungen der Kunde mit der Marke verbindet. Das Etikett transportiert dabei nicht nur Informationen, sondern auch Werte: Qualität, Charakter und Positionierung der Marke.

Gerade im Regal, wo viele Produkte um Aufmerksamkeit konkurrieren, wird das Etikett zu einem entscheidenden Kommunikationsmittel. Es muss sofort auffallen, Vertrauen schaffen und gleichzeitig die Identität der Marke sichtbar machen. Ein hochwertig gestaltetes und veredeltes Etikett kann deshalb wesentlich dazu beitragen, die Wahrnehmung eines Produkts zu stärken und die Marke emotional aufzuladen.

Für unsere Kunden bedeutet das: Das Etikett ist nicht nur Verpackungselement, sondern ein strategischer Bestandteil der Markenführung. Es ist der Moment, in dem Design, Material und Haptik zusammenwirken und aus einem Produkt eine Marke erlebbar machen.

Wie verändert sich damit der Anspruch an Marken insgesamt?

Es ist ein wenig wie beim Auto: Was früher Luxus war, ist heute Standard und die Menschen wollen genau wissen, woran sie sind. Marken ohne echten Kundennutzen und ohne Seele werden verschwinden. Eine Marke muss sich klar differenzieren, sich sauber positionieren, einzigartig sein und darf nicht nur an einer einzelnen Person hängen. Das gilt auch für unsere eigene Marke – sie entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Wie schaffen Sie es, eine Firmengeschichte seit 1946 zu tragen und trotzdem immer wieder Neues zu
wagen?

Mir gelingt das nur, indem ich unsere Traditionswerte mit meiner Familie weiterlebe und weitergebe sowie mit Leidenschaft transformiere und sichtbar mache. Ich bin hier aufgewachsen und habe jede Generation miterlebt, genauso wie mein Mann. Man muss sich von dem Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ lösen und sich entsprechend den heutigen Anforderungen aufstellen. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie und des Teams ist der wichtigste Bestandteil. Flexibilität ist einer unserer Kernwerte und ermöglicht
es uns, immer wieder Alt und Neu zu verbinden. Flexibel auf Kunden- und Marktanforderungen zu reagieren. Technische Innovation, für die mein Mann verantwortlich ist.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Was denken Sie, wenn Sie morgens durch die Produktion gehen und was macht Sie dabei besonders stolz?

Ich bin sehr stolz und zufrieden, dass sich alle Herausforderungen lohnen, und begleite die Entwicklungen sowie Meilensteine mit Freude. Die reibungsintensiven Tage mit innerer Achterbahn und auch manchmal Zweifeln, kitzeln das eigene Potenzial heraus und sind riesige Wachstumsbeschleuniger. Es macht mir riesigen Spaß, mit meiner Familie und meinem Team zusammenzuarbeiten. Ich erinnere mich immer wieder daran, was ich schon alles erfolgreich begleiten durfte und welche Möglichkeiten bereits entstanden sind. Das macht Lust auf mehr. •

Frau Schäfer, vielen Dank für die sehr nützlichen Einblicke in Ihr Unternehmen. Sicher ist für mich jetzt, dass ich Etiketten künftig mit anderen
Augen sehen werde. Umso beeindruckender finde ich, wie weit Papier Schäfer die Möglichkeiten der modernen Etikettenherstellung vorangetrieben hat.

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