Wie trainiert man mentale Stärke? Eine Anleitung für Führungskräfte

Viele sehen Resilienz als angeborene Eigenschaft. Falsch. Sie ist die wichtigste trainierbare Kompetenz im modernen Business. Entdecken Sie, wie Sie Ihr mentales Immunsystem gezielt stärken und Erschöpfung in Energie verwandeln.

Nicht jeder Jobwechsel löst das Problem. Doch mehr Resilienz verändert, wie Sie Herausforderungen erleben. Nachhaltig und in jedem Job.

Resilienz als essenzielle Kompetenz in der modernen Arbeitswelt 

Die Anforderungen unserer Arbeitswelt: Digitale Informationsflut, fehlende Planbarkeit und hoher Leistungsdruck erfordern eine besondere Stärke: Resilienz. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „zurückspringen“ oder „abprallen“. Er beschreibt die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen, Belastungen souverän abzufedern und auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben. Dieses innere Lebensfeuer wird zunehmend zur zentralen Kompetenz, um in unserer Welt langfristig gesund und zufrieden zu bleiben. Doch wie lässt sie sich stärken?

 

 

Das Executive-FiRE-Modell, entwickelt vom deutschen Coach, Autor und Resilienz-Experten Karsten Drath, bietet mit acht Sphären eine strukturierte Herangehensweise, um unser mentales und emotionales Immunsystem gezielt auszubauen und langfristig zu stärken. Die Abkürzung „FiRE“ steht dabei für “Factors improving Resilience Effectiveness”.

Die Basis der Resilienz ist unsere Persönlichkeit, die sich im Kontext von Resilienz im Wesentlichen durch drei Faktoren beschreiben lässt. Das Bedürfnis nach emotionaler Stabilität, das Maß and Extroversion und die Offenheit für neue Erfahrungen. Im Bereich der Persönlichkeit geht es im Wesentlichen um Reflektion, Feedback von außen und Selbsterkenntnis. Je besser man die eigenen Schutz- und Risikofaktoren kennt, desto besser kann man sich selbst führen, denn Resilienz ist vor allem auch eine Führungskompetenz.

Auch die zweite Sphäre des FiRE-Modells, das Verhältnis zu unserer eigenen Biografie, ist eine wertvolle Ressource. Wer seine Rückschläge gut verstoffwechselt und aus gemachten Fehlern gelernt hat, wer mit Dankbarkeit auf gute Entscheidungen und persönliche Erfolge zurückblicken kann, zieht daraus Vertrauen in die eigene Krisenfestigkeit, Kreativität und Selbstwirksamkeit – ein stabilisierender Anker in schwierigen Zeiten.

In der dritten Sphäre spielt unsere innere Haltung zum Leben eine zentrale Rolle. Wer die Havarien des Lebens als Herausforderung statt als Überforderung sehen kann, wird so emotional und mental stärker. Diese Einstellung ist vor allem eine innere Entscheidung, allerdings keine ganz einfache. Daher geht es hier um das Erlernen von Strategien, die uns dabei helfen, aus dem Opfer-Modus in den Gestalter-Modus zu wechseln. Akzeptanz, Übernahme von Verantwortung und Dankbarkeit sind hier zentrale Schlüssel zum Erfolg.

Ein weiterer Aspekt des FiRE-Modells ist die Steigerung der mentalen Agilität. Die Fähigkeit, sich gut auf neue und veränderte Bedingungen einzustellen, wird besonders in unserer unplanbaren Welt immer wichtiger. Dazu bedarf es eines mentalen Muskels, der es uns erlaubt, die eigene Komfortzone zu verlassen, indem man sich bewusst auf Spontanes, Unbekanntes und Neuartiges einlässt. Wie beim Krafttraining sollte der Schweregrad auch hier gut dosiert gesteigert werden.

Energie-Management ist ein weiterer Kernpunkt des Modells und fokussiert auf die Fähigkeit, effektiv mit starken Emotionen umzugehen, ohne diese zu unterdrücken. Wie gehe ich effektiv mit Ärger, Angst oder Scham um? Wie lade ich mich mit positiver Vorspannung auf, um mich für eine schwierige Situation zu rüsten? Wie stärke ich meine mentale Energie, um in turbulenten Zeiten einen klaren Kopf zu behalten? Rituale, Visualisierungen und kognitive Praktiken spielen hier eine zentrale Rolle.

Auch die Geist-Körper-Achse des Modells zielt auf die kognitive und emotionale Selbstregulation ab, allerdings mit dem Körper als Hebel. So ist körperliche Anstrengung äußerst effektiv, um trübe Gedanken zu vertreiben. Ein gesunder Schlaf-Rhythmus erlaubt uns, unsere volle Problemlösungskompetenz zu entfalten. Achtsamkeitspraktiken helfen dabei, sich zu zentrieren und eine sinnvolle Ernährung stärkt nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch unsere Zuversicht.

Vertrauensvolle, authentische Beziehungen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil des FiRE-Modells. Ein persönlicher Beirat bestehend aus Menschen, die sowohl die eigene umtriebige Welt verstehen, dabei keine Eigeninteressen haben und es gut mit uns meinen, bieten emotionalen Halt und Perspektivwechsel in stressigen Zeiten. Gleichwohl sind sie schwer zu finden, was solche Beziehungen kostbar und pflegeintensiv macht. 

Schließlich hebt das Modell den Sinn als letzte Sphäre hervor. Menschen, die ihrem Tun eine tiefere Bedeutung geben, erleben auch schwierige Zeiten als erfüllender. Das Bewusstsein, dass die eigene Arbeit oder das eigene Engagement positiv wirken, stärkt die Motivation und hilft, sich in Krisenzeiten orientiert und stabil zu fühlen. 

Das Executive FiRE-Modell zeigt, dass Resilienz keine festgelegte Eigenschaft ist, sondern eine Kompetenz, die gezielt entwickelt und gefördert werden kann. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden aktiv darin unterstützen, diese acht Sphären – Persönlichkeit, Biografie, Haltung, mentale Agilität, Energie-Management, Geist-Körper-Achse, authentische Beziehungen und Sinn – auszubauen, schaffen nicht nur eine gesündere Arbeitsumgebung, sondern investieren in die langfristige Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit ihres Unternehmens.

Resiliente Mitarbeitende sind weniger anfällig für Konflikte und Überforderung und bleiben auch in schwierigen Phasen eher kreativ und lösungsorientiert. Das FiRE-Modell unterstützt dabei nicht nur die individuelle Belastbarkeit, sondern fördert auch den Zusammenhalt und die Teamdynamik, indem es eine Kultur der Selbstreflexion und des gegenseitigen Supports schafft. 

Aber Vorsicht: eine Förderung der Resilienz ist kein Allheilmittel. Sie macht für ein Unternehmen nur dann Sinn, wenn die Unternehmensleitung gleichzeitig bereit ist, Vorbild zu sein und Aspekte wie Arbeitsbelastung, Personaldecke und Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit in den Blick zu nehmen.

Unternehmen, denen es hingegen gelingt, Resilienzförderung als Wert in ihrer Strategie und Kultur zu verankern, legen damit eine Grundlage für nachhaltigen Erfolg: Resiliente Teams bleiben länger leistungsfähig und innovativ, lernen kontinuierlich und tragen damit zur langfristigen Stabilität der gesamten Organisation bei.

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