Anke Sommer
„Scheiden tut weh – Wie verbringt ein Unternehmer sein Leben ab dem 40. Lebensjahr?“
Unternehmer*innen aus der 1. Generation eines Unternehmensaufbaus haben eine Aufgabe: Startet das Geschäft, so startet auch die Altersvorsorge. Genau genommen beginnt der Prozess der Alterssicherung nach der Start-up-Phase.
Warum ist das so? Unternehmer*innen sind in Deutschland auf sich selbst gestellt. Es liegt in Ihrer Verantwortung, heute schon an das Morgen zu denken.
Haben Sie die Vier vor der Null, dann ist bestenfalls Ihr unternehmerisches System schon auf Ihre Altersvorsorge eingestellt. Statt Sie Ihr Geld sehen, fließt ein Teil zum Beispiel in Immobilien, ein zweiter Teil sorgt für die Sanierung des Gebäudes, wenn dieses in die Jahre kommt. Ein dritter Geldfluss wandert beispielsweise in einen ETF und ein vierter sichert Sie ab, sollten Sie Ihr unternehmerisches Tun aus Krankheitsgründen unterbrechen müssen.
Dieser simplen Veranschaulichung Ihrer Altersvorsorge entnehmen Sie ein Grundprinzip: Das, was Sie an Geld haben, aber nicht sehen, gehört Ihrem Alter. Je kreativer Sie Ihre Altersvorsorge betreiben, desto mehr gehört Ihr Dasein im Alter schon jetzt zu Ihrer alltäglichen Denke.
Kreativ lebt es sich am besten
Teilen Sie Ihr Leben in zwei Bereiche ein. Im Bereich 1 erwirtschaften Sie nichts. Der Bereich 2 zeigt Ihnen Ihre Schaffensphasen auf. 1 und 2 wechseln sich bunt auf ihrer Lebenslinie ab. Nun malen Sie sich Ihre Lebenslinie auf, auf der erkennbar ist, wie alt Sie in etwa werden. Mein Tipp: Wählen Sie 115 Jahre aus. Das gibt Ihnen Spiel nach hinten. Ihre Schaffensphasen (2) sorgen für ein unabhängiges Leben, auch im Bereich 1. Als letztes entscheiden Sie, wann in Ihrem Leben Bereich 1 gelebt wird und wann Zeit für Bereich 2 ist. Je kleiner Ihr Bereich 2 ist, desto mehr müssen Sie in dieser Phase hereinwirtschaften. Auch braucht es Modelle des passiven Einkommens, die im Bereich 2 aufgebaut werden.
Das Modell zeigt Ihnen schnell, dass das Geld, auf das Sie im Alter zurückgreifen können, umso knapper wird, je weniger Ressourcen Sie besitzen. Im Gegenzug ist es wichtig, die Schaffensphasen Ihres Lebens altersgerecht aufzubauen.
Zurück zu unserem anfänglichen Veranschaulichungsmodell der Automatisierung der Altersvorsorge. Denken Sie groß: Wo wollen Sie im Alter leben? Wie viel wird dieses Leben kosten? Wie teuer ist der Wohnraum in Ihrem Umfeld? Wie sieht es in Ihren Nachbarländern aus? Und wo zieht es Sie noch hin? Was müssen Sie jetzt tun, damit Sie schon jetzt dieses Modell des Alters füttern? Welche Rolle spielt Gemeinschaft für Sie? Wo lebt Ihre Familie und wo leben Ihre Freunde? Sind Sie ein geselliger Mensch? Wenn ja, dann bauen Sie die Gemeinschaft von Anfang an mit in Ihr Modell hinein.
Scheiden tut weh
Selbst bei Menschen, die mir erzählt haben, sie möchten ziemlich schnell nicht mehr arbeiten, um dann frei zu leben – ein Abschied aus der Struktur des Arbeitslebens ist das Ausscheiden aus der Schaffensphase allemal. Sie verabschieden sich aus der gewohnten Umgebung, von dem Gefühl, etwas Bedeutendes zu tun, von der Wertschätzung, die Sie als Unternehmer*in erhalten, und von der aktiven Einflussnahme auf Ihren alltäglichen Wohlstand.
Deshalb rate ich Ihnen: Planen Sie schon jetzt – so genau wie möglich – Ihr Leben im Lebensbereich 1, also Ihrer schaffensfreien Zeit. Womit können Sie sich beschäftigen? Was sind Ihre Aufgaben? Möchten Sie sich die Tür für Schaffensphasen auch im Alter offenhalten? Wie sieht die Arbeit aus, die Sie im hohen Alter vollziehen wollen? Und wie sieht Ihr Alltag aus, wenn Sie nicht mehr arbeiten? Welchen Beschäftigungen und Strukturen wollen Sie folgen? Was hält Sie jung und beweglich? Welche Bedeutung hat Ihr Lebensthema für Sie, also die Themen, die sich bei Ihnen unter Druck zeigen und Sie sich schlecht fühlen lassen?
Altern ist eine Sache des Blickwinkels
Die SOMMER-Methode © 2011 setzt auf die Beeinflussung durch Fokus. Sie selbst haben zu etwa 80 Prozent in der Hand, was später passiert, sollten Sie Ihren Fokus auf Möglichkeiten setzen. Je aktiver Sie heute mit Ihren Möglichkeiten, die Sie im Alter haben, umgehen, desto mehr bauen sich diese Möglichkeiten auch auf. Ich mache mir gerne ein Spiel daraus. Die Grundfrage des Spiels lautet: Was geht noch? So hat sich bei mir schon vieles aufgebaut, was ohne den Veränderungs- und Gestaltungswillen nicht möglich gewesen wäre. Da Menschen Gewohnheitswesen sind, gilt es schon jetzt herauszufinden, welche Gewohnheiten Ihnen Lebenskraft kosten. So gehört auch der Umgang mit destruktiven Verhaltensweisen zu Ihrer Altersvorsorge. Für gewöhnlich verstärken sich Ihre Lebensthemen im Alter. Ihr Prozess kommt nach oben. Er ist die Summe der nicht verarbeiteten negativen Erfahrungen, die nicht immer von Ihnen persönlich erlebt worden sein müssen. Haben unter anderem Ihre Eltern unverarbeitete Gewalterfahrungen, so haben sie Ihnen die Folgen dieser übergeben. Dieser Prozess überträgt sich durch negative Muster innerhalb der Kommunikation sowie durch negative Verhaltensweisen auf Sie. Daraus entsteht Ihr Lebensthema.
Altersvorsorge ist keine Sache für den Moment, sondern eine Sache fürs Leben
Egal wie alt Sie sind und wie viel Sie schon fürs Alter zurückgelegt haben, Sie haben immer eine Aufgabe: hinschauen! Je mehr Ihre Kräfte abnehmen, desto höher ist Ihr Sicherheitsbedarf. Das Zentrum des Aufbaus Ihrer Alterssicherung sollte Sie also absichern. Je weniger Ihr Alter nach heutigen Berechnungen geschützt ist, desto weniger sollten Sie heute verfügbares Geld leichtfertig ausgeben. Sorgen Sie dafür, dass möglichst viele Ausgaben zu Ihnen zurückkommen? Ein unverbindliches Beispiel dafür ist: Sie kaufen sich ein Haus und vermieten es. Ein Teil Ihres Geldes fließt in Ihren Stein und ein weiterer Teil kommt durch Mieteinnahmen zu Ihnen zurück. Dieses Prinzip lässt sich beliebig ausbauen. Auch Ihre Expertise ist ein Wert, der Teil Ihrer Altersvorsorge sein sollte. Bauen Sie sich ein System auf, das Ihre Expertise zu Geld macht. Schauen Sie, was Ihnen innerhalb der Schaffensphase 2 zusetzt, Sie belastet und von einem ausgewogenen Lebensstil abhält. In der schaffensfreien Zeit (1) haben Sie weniger Möglichkeiten, dieses Problem zu bewältigen. Folglich ist es Aufgabe Ihrer schaffensreichen Zeit (2), destruktive Verhaltensweisen abzulegen, denn destruktive Verhaltensweisen zerstören aufgebaute Sicherheiten. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem erfolgreichen und betagten Unternehmer. Unser Thema war seine Alterssicherung auf mentalem Weg. Die Kernaussage von ihm lautete: „Wenn du jung bist, willst du von deinen Schwächen nichts wissen. Wenn du erfolgreich bist, bist du zu arrogant, es dir einzugestehen. Wenn du alt bist, erdrücken sie dich und du hast weniger Geld und Kraft, diese zu bearbeiten.“
Warum das 40. Lebensjahr eine Schaltstelle zur Sicherung des Alters ist
Ab dem 40. Lebensjahr ist Ihr Lebensthema gut zu erkennen. Es verstärkt sich mit jedem weiteren Jahr. Sie verfügen über genügend Schaffenszeit, um Geldflüsse zu Ihnen zurückzuführen. Sie können Ihr unternehmerisches Können auch zur vielfältigen Gestaltung Ihrer schaffensfreien Zeit nutzen. Was Sie erkennen sollten, ist, Ihnen kann jederzeit geholfen werden. Eine kreative Altersvorsorge besteht aus der Beschaffung von Finanzen, der Lenkung von Finanzströmen, dem Aufbau eines automatisierten Systems zur Alterssicherung, der Schaffung von kreativen und individualisierten Wegen zur Absicherung des Alters und dem Erkennen und Ausschalten von Gefährdungsfaktoren – für eine mentale sowie körperliche Balance.
Je mehr Sie sich von der Vierzig Richtung Alter entfernen, desto mehr Fokus gehört dem Thema ganzheitliche Altersvorsorge. Packen Sie es an!