Josef Kainz
Executive Summary
Was ich gelernt habe
Motivation ist vergänglich,
Vertrauen bleibt.
Autorität entsteht durch Verantwortung, nicht durch Hierarchie.
Menschen können schwierige Wahrheiten akzeptieren.
Führung beginnt bei der eigenen Haltung.
Klarheit schafft Orientierung in unsicheren Zeiten.
Was ich sage
„Wir müssen die Realität nicht mögen, aber wir müssen sie anerkennen.“
„Verantwortung kann man delegieren. Konsequenzen nicht.“
„Wer weitermacht wie bisher, bekommt mehr vom Bisherigen.“
„Ich kenne die Antwort noch nicht. Aber wir werden sie gemeinsam finden.“
Was daraus entsteht
Vertrauen statt Unsicherheit.
Klarere Entscheidungen.
Mehr Eigenverantwortung.
Höhere Umsetzungsgeschwindigkeit.
Stabilität in Krisensituationen.
BERICHTE AUS DER PRAXIS
Lange Zeit glaubte ich, gute Führung
bestehe darin, Menschen zu motivieren. Heute sehe ich das anders. Nach mehr als 25 Jahren als CFO, Geschäftsführer und Interim Manager bin ich zu einer einfachen Erkenntnis gekommen:
Die besten Führungskräfte motivieren nicht permanent. Sie schaffen Orientierung.
Motivation schwankt. Vertrauen bleibt. Gerade in schwierigen Zeiten suchen Menschen keine Motivationsreden. Sie suchen Klarheit.
Praxisfall 1: Vertrauen statt Motivation, Klartext statt Durchhalteparolen
Als Interim-CEO eines verlustbringenden Unternehmens sagte ich in meiner ersten Mitarbeiterversammlung:
„Wir müssen es aus eigener Kraft schaffen. Niemand wird uns sonst Geld geben, um unsere Gehälter zu bezahlen.“
Das war keine Motivationsrede, sondern die ungeschönte Realität.
Die Mitarbeiter akzeptierten die Wahrheit und gingen den notwendigen Weg mit. Seitdem weiß ich: Menschen können mit schwierigen Wahrheiten umgehen.
Was sie nicht ertragen, ist Unsicherheit. Vertrauen entsteht, wenn Worte und Handlungen übereinstimmen. Ich nenne das Berechenbarkeit. Nicht Starrheit. Verlässlichkeit.
Die besten Führungskräfte, denen ich begegnet bin, waren selten die Charismatiker. Sie waren die Berechenbaren.
Praxisfall 2: Verantwortung statt Hierarchie – warum Loyalität Grenzen braucht
Früh in meiner Karriere ließ ich mich aus falsch verstandener Loyalität zu meinem CEO und wider besseres Wissen dazu bewegen, wirtschaftliche Entwicklungen positiver darzustellen, als sie tatsächlich waren. Heute nenne ich das das „Führungsprinzip Hoffnung“.
Wir hofften, dass sich die Dinge schon zum Guten entwickeln werden. Wir hofften, dass die Probleme kleiner sind, als sie tatsächlich waren. Und wir hofften, dass die Realität die eigene Darstellung irgendwann einholt.
Nichts davon geschah!
Als die tatsächliche Situation sichtbar wurde, eskalierte die Lage. Der Eigentümer setzte eine Untersuchungskommission ein. Ich stand im Kreuzfeuer. Letztendlich verlor der Geschäftsführer seinen Job und auch für mich hatte die Situation gravierende persönliche Folgen.Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt. Seitdem gilt für mich: Verantwortung kann man delegieren. Konsequenzen nicht.
Wer bereit ist, die Folgen seiner Entscheidungen selbst zu tragen, gewinnt Glaubwürdigkeit. Und aus Glaubwürdigkeit entsteht Autorität.
Heute würde ich als CFO einen solchen Weg nicht mehr mitgehen. Ich würde die Situation offen ansprechen, dem CEO widersprechen und, wenn erforderlich, die Eigentümer frühzeitig einbinden.
Denn Hoffnung ist keine Strategie. Führung bedeutet, die Realität auszusprechen, auch wenn sie unbequem ist.
Praxisfall 3: Ruhig bleiben in stürmischen Zeiten, geh langsam, wenn du es eilig hast
Dieser Punkt ist für mich selbst noch ein Lernfeld. In Phasen hoher Belastung werde auch ich manchmal hektisch. Dabei habe ich immer wieder erlebt: Hektik überträgt sich sofort auf das Umfeld.
Je ruhiger und klarer eine Führungskraft bleibt, desto mehr Orientierung gibt sie ihrem Team. Menschen beobachten in Krisensituationen weniger, was Führungskräfte sagen. Sie beobachten vielmehr, wie sie sich verhalten.
Wer hektisch wird, erzeugt Hektik. Wer Klarheit ausstrahlt, erzeugt Klarheit. Manchmal ist der stärkste Führungssatz: „Ich kenne die Antwort noch nicht. Aber wir werden sie gemeinsam finden.“ Hier liegt für mich persönlich noch viel Potenzial, meine eigene Wirksamkeit weiter zu steigern.
Fazit
Mit 40 dachte ich, gute Führung bedeutet, Menschen zu überzeugen.Heute glaube ich: Gute Führung bedeutet, Menschen Orientierung zu geben. Vertrauen statt Motivation.Verantwortung statt Hierarchie.Ruhe statt Hektik. Menschen folgen nicht unseren Präsentationen. Sie folgen unserer Haltung. Deshalb ist die wichtigste Frage für Führungskräfte nicht:
„Wie motiviere ich mein Team?“ Sondern: „Wie berechenbar, verant-wortlich und vertrauenswürdig bin ich selbst?“ Denn genau dort beginnt Führung.
Josef Kainz
arbeitet als Interim CFO, CRO und Berater für Finanztransformation. Bei Bedarf übernimmt er gesellschaftsrechtliche Funktionen – bis hin zum Alleingeschäftsführer. Er ist Gründer und Managing Partner der auf Finance spezialisierten Interim-Boutique dieSaremas GmbH mit Sitz in Wien.
Seit über 15 Jahren begleitet er Unternehmen in Phasen des Wandels – von Post-Merger-Integrationen über Restrukturierungen bis hin zur Überbrückung von Vakanzen einschließlich der Auswahl und des Onboardings neuer Führungskräfte. Seine Mandate reichen von mittelständischen Unternehmen über Private-Equity-Portfoliounternehmen bis zu internationalen Konzernen.
Bekannt ist Josef Kainz für seinen klaren, lösungsorientierten Führungsstil sowie für seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Zahlen und Menschen. Mit einem tiefen Verständnis für Kommunikation und Organisationspsychologie schafft er Stabilität und Orientierung in anspruchsvollen Transformations- und Krisensituationen.
Neben seiner Tätigkeit als Interim Manager vermittelt er Finance-Experten und bietet vertrauliche Sparring-Calls für Führungskräfte an.
dieSaremas GmbH
Kärntner Ring 5–7
1010 Wien, Österreich