Judith Williams
Judith Williams im Gespräch mit dem Quantum Magazin über die Kunst, eine Marke zu werden und wie Entscheider ihre Glaubwürdigkeit bewahren trotz
ständiger Sichtbarkeit.
On a grey New York City morning, Judith Williams and Norbert Wittmann meet for an interview in a café where, once upon a time, the city’s great thinkers and restless spirits gathered.
Guten Morgen, Frau Williams, es freut mich sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch nehmen – ein Dialog, der Einblicke in die Person hinter der Marke Judith Williams verspricht.
Sie sind seit über 20 Jahren das Gesicht Ihrer Marke. Was war der Moment, in dem Ihnen klar wurde: „Ich BIN mein Produkt“?
Judith Williams: Von Anfang an war es mein Ziel, eine Marke zu schaffen, die Wissenschaft und Natur vereint, wirksam ist – und gleichzeitig für möglichst viele Menschen zugänglich bleibt. Diese Haltung steckt in jeder Formulierung, in jedem Produkt, in jeder Entscheidung.
Natürlich bin ich mein Produkt – weil ich mit voller Überzeugung das lebe, was ich verkaufe. Aber eine Marke entsteht nicht im Alleingang. Ich habe früh erkannt, wie wichtig es ist, exzellente Expert:innen an meiner Seite zu haben. Gemeinsam haben wir ein Unternehmen aufgebaut, das heute für Qualität, Innovation und Empowerment steht.
Hand aufs Herz: Wie fühlt es sich an, wenn die private Judith und die Business-Judith zu einer Person verschmelzen? Gibt es da überhaupt noch einen Unterschied?
Es gibt keine „Business-Version“ von mir – ich bin in allen Rollen dieselbe Person. Natürlich gibt es Rückzugsorte, Zeit für Familie, Momente des Innehaltens, die nur mir gehören. Aber das, was ich öffentlich zeige, ist echt. Wer mir begegnet – beruflich oder privat – erlebt dieselbe Haltung, dieselben Werte, dieselbe Energie.
Sie haben einmal gesagt, Authentizität sei nicht planbar. Wie bereiten Sie sich dann auf Live-Auftritte vor, bei denen Millionen zusehen?
Für mich beginnt jeder Auftritt mit innerer Klarheit. Ich nehme mir bewusst Zeit, zur Ruhe zu kommen und mich mit meiner Intention zu verbinden. Atemübungen oder kleine Rituale helfen mir dabei, ganz im Moment
anzukommen. Sobald ich auf der Bühne stehe, lasse ich los – und spreche direkt aus dem Herzen. Genau dann entsteht Authentizität.
2003 starteten Sie bei QVC. Was war die größte Herausforderung beim Verkaufen, im Gegensatz zu heute?
Damals war es die Vorstellung, in eine Kamera zu sprechen und trotzdem echte Verbindung zu schaffen. Ich musste lernen, durch ein Objektiv zu fühlen. Heute ist die Herausforderung, in einem digitalen Overload Gehör zu finden – nicht laut, sondern klar.
Früher hatten Kunden 30 Minuten Zeit für eine Kaufentscheidung im TV. Heute entscheiden sie in 3 Sekunden auf Instagram. Wie hat das Ihre Art zu Verkaufen verändert?
Man muss um einiges schneller auf den Punkt kommen und es hilft das Produkt zu emotionalisieren. Wenn dein Produkt Seele hat, bleibt es auch im Gedächtnis.
Vor 20 Jahren war „Reichweite“ noch ein TV-Begriff. Heute sprechen alle von „Engagement Rate“. Was bedeutet das konkret für Ihren Geschäftserfolg?
Engagement ist viel mehr als eine Zahl – es ist Beziehung. & Beziehungen bauen eine Marke, denn es ist glaubhaft und echt: ein Kommentar, eine → geteilte Story oder ein ehrliches Testimonial zeigen dieses Engagement
viel mehr, als sich nur “auf dem Sofa” berieseln zu lassen. Zahlen sind wichtig. Aber wenn sich jemand mit einer Marke verbunden fühlt bleibt er ein Leben lang.
Heute googeln Kunden Inhaltsstoffe und vergleichen Preise in Echtzeit. Früher war Ihr Wort das Einzige, was zählte. Wie nutzen Sie diese neue Kundenintelligenz zu Ihrem Vorteil?
Ich sehe das als Geschenk. Heute sind Kunden bewusster, informierter, wacher. Das heißt, wir müssen noch klarer kommunizieren, noch ehrlicher formulieren – aber auch: Wir dürfen bilden. Ich liebe es, Wissen zu teilen, Transparenz zu schaffen. Vertrauen entsteht nicht mehr durch Hochglanz – sondern durch Klarheit.
Sie gelten als Pionierin des CEO Social Selling in Deutschland. Können Sie konkret beziffern: Was bringt ein Judith Williams Instagram-Post im Vergleich zu klassischer Werbung?
Ein persönlicher Post, in dem ich ehrlich spreche verbindet. Menschen kaufen nicht nur ein Produkt. Sie kaufen eine Haltung, eine Geschichte, eine Vision.
Social Selling scheint perfekt für emotionale Kosmetikprodukte zu funktionieren. Aber was würden Sie einem Maschinenbau-CEO raten, wie er Social Selling für sich nutzen könnte?
Emotion hat kein Produkt-Monopol. Auch Maschinen bewegen Welten. Der Schlüssel ist: Purpose. Warum tust du, was du tust? Zeig mir den Menschen hinter der Technik, die Leidenschaft hinter dem Stahl. Social Selling bedeutet nicht, tanzen zu müssen, es bedeutet, sichtbar zu sein in deinem Warum.
Spontaneität verkauft besser als perfekte Inszenierung – gibt es so etwas wie „geplante Ungezwungenheit“? Wie schaffen Sie es, authentisch zu bleiben, obwohl alles strategisch durchdacht ist?
Das ist der sweet spot: Planned imperfection. Ich plane meine Botschaft, aber ich lasse Raum für das Leben. Für echte Momente. Für Lachen, das nicht gescriptet ist. Für Tränen, wenn sie kommen. Authentizität braucht Struktur – aber keine Fassade.
KI kann heute fast alles – Texte schreiben, Bilder erstellen, sogar Videos generieren. Wo ziehen Sie die Grenze? Was ist Ihr unersetzlicher menschlicher Mehrwert, den keine KI kopieren kann?
KI kennt Muster. Aber sie kennt keine Sehnsucht. Sie analysiert, aber sie fühlt nicht. Mein Mehrwert ist meine Intuition, mein energetisches Gespür. →
Das lässt sich nicht programmieren. Ich spüre, was zwischen den Worten liegt. Und genau da entsteht Verbindung.
Sie haben Hunderte Produkte gelauncht – woran erkennen Sie ob ein Produkt ein kurzlebiger Trend oder ein Dauerbrenner wird?
Ein Dauerbrenner entsteht, wenn ein Produkt nicht nur ein Bedürfnis erfüllt, sondern eine emotionale Lücke schließt. Ich stelle mir immer die Frage: Verändert dieses Produkt etwas im Leben der Menschen? Gibt es ein Before & After? Wenn die Antwort „Ja“ ist, weiß ich: Das wird bleiben.
After Sales-Service wird immer wichtiger. Wie schaffen Sie es, dass Kunden zu echten Fans werden?
Indem ich zuhöre. Indem ich zurückgebe. Kunden sind keine Nummern – sie sind Teil einer Bewegung. Wir stehen im ständigen Austausch mit unserer Community. Weil ich glaube: Wenn du willst, dass jemand bleibt, musst du ihn sehen.
Zum Abschluss eine Definition:
„Social Selling“ – was ist das genau? Sein Privatleben zur Schau stellen? Seine Unternehmensphilosophie predigen? Oder etwas völlig anderes?
Social Selling bedeutet man teilt seine Vision, seine Werte, seine Wahrheit – nicht, um zu überzeugen, sondern um zu verbinden. Es geht nicht um Show. Es geht um Echtheit, um Resonanz.
Was steht als Nächstes auf der Agenda? Welche TV-Projekte oder unternehmerischen Vorhaben planen Sie?
In Kürze startet die neue Staffel von „Die Höhle der Löwen“ – ein Format, das mir nach wie vor sehr am Herzen liegt. Parallel dazu arbeiten wir natürlich immer an spannenden Produktinnovationen. Und was sonst noch kommt? Da darf man sich überraschen lassen. ___